Im Trading wird ständig in Prozent gedacht: Risiko pro Trade, Margin, Trefferquote, Rendite. Hinter fast jeder dieser Kennzahlen steckt eine Formel aus der Prozentrechnung, die man aus der Schule kennt. Wer sie einmal sauber nachvollzieht, versteht nicht nur die Zahlen besser, sondern erkennt auch, wo die typischen Denkfehler liegen.
Dieser Ratgeber geht die wichtigsten Berechnungen der Reihe nach durch, jeweils mit Formel und Rechenbeispiel.
Risiko pro Trade: der Prozentwert vom Kontostand
Trader legen ihr Risiko meist nicht als festen Eurobetrag fest, sondern als Prozentsatz des Kontos. Der Vorteil: Der Betrag wächst und schrumpft automatisch mit dem Kapital. Gerechnet wird mit der Formel für den Prozentwert:
Risikobetrag = Kontostand × Risiko in % ÷ 100
Beispiel: Bei 5.000 € Kontostand und 1 % Risiko darf ein Trade höchstens 5.000 × 1 ÷ 100 = 50 € kosten. Als Orientierung werden häufig 0,5 bis 2 % genannt.
Positionsgröße aus dem Risiko ableiten
Aus dem Risikobetrag ergibt sich, wie groß eine Position sein darf. Dazu teilt man ihn durch den Verlust, den die Position bis zum Stop-Loss machen würde. Im Devisenhandel sieht das so aus:
Positionsgröße in Lots = Risikobetrag ÷ (Stop-Loss in Pips × Pip-Wert pro Lot)
Beispiel: EUR/USD bei einem Kurs von 1,10, Stop-Loss 25 Pips entfernt. Ein Pip ist bei einem Standard-Lot (100.000 Einheiten) 10 US-Dollar wert, umgerechnet 10 ÷ 1,10 ≈ 9,09 €. Bis zum Stop wären das 25 × 9,09 € ≈ 227,27 € pro Lot. Die Positionsgröße beträgt also 50 € ÷ 227,27 € ≈ 0,22 Lot.
Wichtig: immer abrunden. Wer auf 0,23 aufrundet, liegt über dem geplanten Risiko.
Hebel und Margin: zwei Seiten derselben Prozentangabe
Ein Hebel wird als Verhältnis angegeben, die Margin als Prozentsatz. Beides beschreibt dasselbe:
Margin in % = 100 ÷ Hebel
| Hebel | Margin | Margin bei 10.000 € Position |
|---|---|---|
| 1:5 | 20 % | 2.000 € |
| 1:20 | 5 % | 500 € |
| 1:30 | 3,33 % | 333,33 € |
| 1:100 | 1 % | 100 € |
Die Kehrseite zeigt sich bei der Kursbewegung: Fällt der Kurs bei einem Hebel von 1:20 um 1 %, verliert die 10.000-€-Position 100 €. Bezogen auf die eingesetzten 500 € Margin sind das 20 %. Der Hebel vervielfacht also nicht nur den Gewinn, sondern auch die prozentuale Wirkung jedes Verlusts.
Chance-Risiko-Verhältnis und nötige Trefferquote
Das Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) setzt den möglichen Gewinn ins Verhältnis zum möglichen Verlust. Bei einem Einstieg bei 100 €, Stop-Loss bei 98 € und Kursziel bei 106 € stehen 2 € Risiko 6 € Chance gegenüber, das CRV beträgt 1:3.
Interessant wird es, wenn man daraus die Trefferquote ableitet, ab der ein Ansatz rechnerisch nicht mehr verliert:
Mindest-Trefferquote in % = 1 ÷ (1 + CRV) × 100
| CRV | Mindest-Trefferquote (vor Kosten) |
|---|---|
| 1:1 | 50,0 % |
| 1:2 | 33,3 % |
| 1:3 | 25,0 % |
Bei einem CRV von 1:3 reicht es also, wenn jeder vierte Trade aufgeht. Wie man solche Anteile allgemein berechnet, zeigt der Rechner für den Prozentsatz. Gebühren und Spreads sind darin noch nicht enthalten, in der Praxis liegt die nötige Quote also etwas höher.
Verlust und Erholung: Prozente sind nicht symmetrisch
Einer der häufigsten Denkfehler: Wer 20 % verliert, braucht nicht 20 %, um wieder bei null zu sein. Der Gewinn bezieht sich auf den bereits geschrumpften Grundwert.
Nötiger Gewinn in % = Verlust ÷ (100 − Verlust) × 100
| Verlust | Nötiger Gewinn zur Erholung |
|---|---|
| −10 % | +11,1 % |
| −20 % | +25,0 % |
| −30 % | +42,9 % |
| −50 % | +100,0 % |
Nachrechnen lässt sich das mit dem Rechner für die prozentuale Veränderung von Wert zu Wert. Genau deshalb wird das Risiko pro Trade klein gehalten: Fünf Verlusttrades mit je 2 % kosten zusammen rund 9,6 % des Kontos, mit je 10 % wären es schon rund 41 %.
Rendite über Zeit: der Zinseszinseffekt
Auch Renditen lassen sich nicht einfach addieren. Wer zwölf Monate lang jeweils 2 % erzielt, kommt nicht auf 24 %, sondern auf 1,0212 − 1 ≈ 26,8 %, weil jeder Monat auf dem gewachsenen Kapital aufbaut. Das Prinzip ist dasselbe wie beim Sparen, ausführlich erklärt im Ratgeber zu Zins und Zinseszins.
Umgekehrt gilt das genauso für Verluste. Konstante, kleine Ergebnisse wirken sich über die Zeit stärker aus als einzelne große Ausschläge.
Prozent oder Prozentpunkte?
Wer sein Risiko pro Trade von 1 % auf 2 % erhöht, legt "nur einen Prozentpunkt" drauf, verdoppelt das Risiko aber (+100 %). Dieselbe Verwechslung passiert bei Trefferquoten oder Margin-Anforderungen. Beim Vergleichen von Kennzahlen lohnt es sich deshalb, genau hinzusehen, ob von Prozent oder Prozentpunkten die Rede ist.
Selbst rechnen oder Rechner nutzen?
Alle Formeln oben lassen sich mit Papier und Taschenrechner lösen, und es lohnt sich, das mindestens einmal zu tun. Im Alltag sind spezialisierte Tools praktischer, vor allem bei Positionsgrößen, wo Wechselkurse und Pip-Werte je nach Währungspaar ständig andere sind. Eine Übersicht solcher Tools für Positionsgröße, CFDs, CRV und mehr bieten zum Beispiel die Trading-Rechner von Trading.de.
Wer die Rechenwege dahinter kennt, kann die Ergebnisse jedes Rechners einordnen und erkennt eine fehlerhafte Eingabe sofort.
Hinweis: Dieser Artikel erklärt Rechenwege und stellt keine Anlageberatung dar. Der Handel mit Devisen, CFDs und anderen Hebelprodukten ist mit erheblichen Verlustrisiken verbunden.